Pädagogische Umsetzung II

Das Programm

Wir bieten für jede Altersstufe ein spezifisches Programmangebot, dessen Aktivitäten gemäß der PfadfinderInnenmethode umgesetzt werden und das über alle Stufen gesehen dazu beiträgt, unseren pädagogischen Auftrag zu erfüllen.

Das Prinzip der Ganzheitlichkeit

Ganzheitlichkeit hat drei grundlegende Aspekte:

  1. Wir arbeiten ganzheitlich mit einem über die Themen unserer acht Schwerpunkte ausgewogenen Programm.
  2. Wir arbeiten ganzheitlich in den Methoden, und sprechen dadurch alle Sinne und den Verstand an (lernen mit "Herz, Hirn und Hand").
  3. Wir fördern die ganzheitliche Entwicklung in allen Dimensionen der Persönlichkeit eines Menschen, und ermöglichen so den Kindern und Jugendlichen ihr volles physisches, intellektuelles, emotionales, soziales und spirituelles Potenzial, d.h. ihren Charakter, zu entfalten.

Die Methoden der Stufen

Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Methoden jeder Altersstufe, die eine altersgemäße Umsetzung der PfadfinderInnenmethode und/oder Entwicklungsaufgaben unterstützen. Eine nähere Erläuterung dieser einzelnen Methoden und Begrifflichkeiten findet sich in den gültigen Arbeitsbehelfen der jeweiligen Altersstufen.

Die Sozialformen

Unterschiedliche Sozialformen ermöglichen verschiedene soziale Interaktionen und bieten damit vielfältige Möglichkeiten um zu lernen. Die Bearbeitung der eigenen Entwicklungsaufgaben erfordert, dass Kinder und Jugendliche unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit erleben und die sie umgebenden sozialen Systeme, das Umfeld in dem sie handeln und kommunizieren, schrittweise mitgestalten können. Dabei werden sie vom erwachsenen Leitungsteam unterstützt.

Vor diesem Hintergrund kommen vor allem folgende Sozialformen zum Einsatz:

  • Individuum (die Einzelperson)
  • Kleingruppe
    • Peer Group (eine auf Dauer angelegte Kleingruppe)
    • Interessensgruppe (eine anlassbezogene Kleingruppe)
  • Großgruppe (die große Gemeinschaft, die sich unter Umständen aus mehreren Peer Groups zusammensetzt)

Die Auswahl von Sozialformen zur altersgemäßen Umsetzung der PfadfinderInnenmethode erfolgt bewusst und zielgerichtet. Generell kommt jede Sozialform in jeder Altersstufe zum Einsatz, jedoch in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit.

Besonderen Stellenwert in der Entwicklung hat die Kleingruppe, dabei vor allem die Interessensgruppe und die Peer Group. Letztere bezeichnet ein soziales System, das sich je nach Altersstufe aus etwa vier bis zwölf Kindern oder Jugendlichen ähnlichen Alters zusammensetzt und deren freiwillige Mitglieder ein freundschaftliches, gleichrangiges Verhältnis verbindet. Eine Peer Group ist selbstbestimmt – ihre Mitglieder erproben in ihr soziale Verhaltensweisen und erfahren den Übergang in das Erwachsensein in einem geschützten Rahmen, in dem sie auch ihre Grenzen austesten können. Die Interessensgruppe bezeichnet eine Kleingruppe, die auf ein Thema bezogen ist und durch gemeinsame Interessen ihrer Mitglieder entsteht.

Das Erprobungssystem

Das Erprobungssystem ist ein Werkzeug zur Verwirklichung des Prinzips der persönlichen Weiterentwicklung auf eine möglichst partizipative Weise. Es bietet eine Struktur, in der Kinder und Jugendliche die Verantwortung für die eigene Entwicklung nach altersgemäßer Selbständigkeit übernehmen können. Dabei werden sie in der Erfüllung ihrer Aufgaben von Erwachsenen unterstützt und begleitet.

Geschlechterbezogenes Arbeiten

Geschlechterbezogenes Arbeiten bedeutet, Möglichkeiten zu schaffen, die eigene Geschlechtsidentität im Rahmen der Bearbeitung der Entwicklungsaufgaben entdecken und entwickeln zu können.

Geschlechtsidentität bezeichnet die innere Überzeugung, einem Geschlecht anzugehören. Für Erwachsene heißt das, sich der eigenen Vorbildfunktion bewusst zu sein und sowohl sozial konstruierte Rollenbilder als auch das eigene Rollenverhalten immer wieder kritisch zu hinterfragen. Für dieses bewusste Vorleben vielfältiger Rollenbilder ist es notwendig, über ein Leitungsteam mit AnsprechpartnerInnen beider Geschlechter zu verfügen.

Geschlechterbezogenes Arbeiten umfasst drei wesentliche Handlungsaufträge:

  1. "Geschlechtergerecht" agieren: Wir schaffen gleiche Möglichkeiten und Chancen für beide Geschlechter und pflegen den partnerschaftlichen Umgang zwischen den Geschlechtern.
  2. "Geschlechtsspezifisch" agieren: Wir gehen auf die Bedürfnisse von Mädchen und Buben gleichermaßen ein und bieten ihnen unterschiedliches Programm, um den verschiedenen Lebenswelten von Mädchen und Buben gerecht zu werden. Dem Prinzip der Ganzheitlichkeit folgend wird das den Kindern und Jugendlichen sowohl in koedukativen Umwelten als auch in Freiräumen mit getrennt geschlechtlichen Aktivitäten ermöglicht.
  3. "Genderkritisch" agieren: Wir befähigen Kinder und Jugendliche, sozial konstruierte Geschlechterrollen zu erkennen, zu hinterfragen und die eigene Geschlechterrolle auszubilden.

Partizipation

Mitbestimmung bedeutet, dass Kinder und Jugendliche bei Themen, die für sie relevant sind, mitsprechen können und bei Entscheidungen, welche ihr Leben betreffen, mitgestalten können. Erwachsene unterstützen sie bei der Entwicklung der dazu nötigen Fähigkeiten und etablieren einen methodischen und organisatorischen Rahmen, der altersgemäße Partizipation ermöglicht. Gelungene Partizipation ist freiwillig, herausfordernd und macht Spaß.

Kindern und Jugendlichen wird einerseits so viel Verantwortung überlassen und andererseits so viel Unterstützung geboten, dass sie Schritt für Schritt lernen, gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Sie erwerben dadurch wichtige soziale Kompetenzen: Partizipation stärkt ihre Eigenverantwortung, leistet einen wesentlichen Beitrag zur Bearbeitung ihrer Entwicklungsaufgaben und motiviert sie, ihre Lebenswelt aktiv und eigeninitiativ mitzugestalten. Kindern und Jugendlichen soll bewusst werden, dass sie selbst entscheiden und dass ihre Entscheidungen ernst genommen und umgesetzt werden.

Qualitätsmanagement

Die Qualität unserer pädagogischen Arbeit wird durch regelmäßige Evaluationen sowie durch systematische Weiterentwicklung des Programms und seiner Anpassungen an gesellschaftliche Gegebenheiten sichergestellt. Durch den wiederholten Kreislauf von Evaluation und das Einfließenlassen der Ergebnisse soll ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess gewährleistet sein. Basis dafür sind die universellen Grundsätze und Methoden der weltweiten PfadfinderInnenbewegung.

Eine anerkannte und österreichweit einheitliche Ausbildung der Kinder-und JugendleiterInnen garantiert die Umsetzung dieser Konzepte in den jeweiligen PfadfinderInnengruppen.